Fledermäuse überwintern im Spechtschlag

Augen auf bei Fassadenreparaturen!

Dieser Abendsegler hatte es sich in einem Spechtloch an einer gedämmten Fassade gemütlich gemacht und musste wegen der Verschlussarbeiten geborgen werden. | Foto: Karen Kobelt

Spechtlöcher sind bei wärmegedämmten Fassaden, vor allem Wärmedämmverbundsysteme auf Styroporbasis, keine Seltenheit. Zum Unmut vieler Hauseigentümer auf der einen Seite, bieten Spechtschläge andererseits Unterschlupf für verschiedene gebäudebewohnende Vogel- und Fledermausarten.

Für einen Verschluss von Spechtschlägen wird häufig der Herbst und Winter empfohlen, da man sich in dieser Zeit außerhalb der Brutsaison von Vögeln befindet. Doch gerade in den Wintermonaten ist Vorsicht beim Verschließen von Spechtschlägen geboten. Denn über Fassadenschäden wie Spechtlöchern können Fledermäuse hinter gedämmte Fassadenbereiche bzw. die Dämmplatte gelangen, die sich ideal zur Überwinterung eignen. Wie leicht Fledermäuse während ihres Winterschlafs dabei übersehen werden können, soll folgendes Beispiel zeigen:

Offener Spechtschlag an einer wärmegedämmten Fassade - auf den ersten Blick nicht tiefgründig. | Foto: Karen Kobelt
Eröffneter Fassadenbereich um den Spechtschlag: zu erkennen ist der schmale Spalt zwischen der Dämmung und Hauswand, in dem die Zwergfledermäuse überwinterten. Der viele Fledermauskot lässt die Überwinterung weiterer Tiere vermuten, die das Winterquartier aber möglicherweise bereits früher verlassen hatten. | Foto: Karen Kobelt

Am 05. März 2025 wurde bei einer artenschutzfachlichen Baubegleitung einer Fassadensanierung ein offener Spechtschlag kontrolliert. Auf den ersten Blick schien das Spechtloch nicht groß zu sein bzw. sich dahinter nicht zu verzweigen. Bei genauerer Prüfung befand sich jedoch ein ca. 5-7 mm breiter Spalt hinter der Dämmung, welcher typisch bei einer Punkt-Wulst-Verklebung von Dämmstoffplatten ist. Auch mit Hilfe eines Endoskops war dieser Bereich hinter der Dämmung nicht einsehbar. Ein Ausflug von möglicherweise anwesenden Fledermäusen in den folgenden Nächten konnte wegen den noch zu niedrigen Außentemperaturen nicht sichergestellt werden. Aus diesem Grund wurde in Abstimmung mit dem Bauherrn der Spechtschlag eröffnet. Bei der Entfernung des Dämmmaterials kam nach und nach mehr Kot einer kleinen Fledermausart zum Vorschein. Etwa 30 cm unterhalb des Spechtlochs wurden schließlich drei lethargische Zwergfledermäuse in dem Spalt festgestellt. Bei allen drei Tieren handelte es sich um Weibchen. Die Fledermäuse wurden durch die artenschutzfachliche Baubegleitung zunächst geborgen und am selben Abend wieder freigelassen.

Zwei der drei Zwergfledermausweibchen, die durch die artenschutzfachliche Baubegleitung aus dem geöffneten Spechtloch geborgen worden sind. | Foto: Karen Kobelt

Ohne eine artenschutzfachliche Prüfung wären die Fledermäuse lebendig eingeschlossen worden und verhungert. Doch wann ist nun eine günstige Zeit zum Verschließen von Spechtschlägen? Aus artschutzfachlicher Sicht sollte eine Spechtschlagsanierung im Herbst zwischen September und Oktober erfolgen. Zu dieser Jahreszeit sind Jungvögel aller Wahrscheinlichkeit nach ausgeflogen und es herrschen noch abendliche Temperaturen von mindestens 15°C, bei denen Fledermäuse zum Jagen ihr Quartier verlassen. Sind Spechtlöcher nicht vollständig kontrollierbar, kann zu dieser Zeit noch eine Vergrämung durch einen Artenschutzsachverständigen durchgeführt werden. Bei einer Vergrämung können Fledermäuse zwar aus ihrem Quartier gelangen, sie hindert die quartiertreuen Tiere aber am erneuten Einfliegen.

Fledermausquartiere sind gesetzlich geschützt, eine Zerstörung des Quartiers ist ganzjährig untersagt. Kann bei einem geplanten Verschluss des Spechtlochs nicht zweifelsfrei ausgeschlossen werden, dass dieser durch Fledermäuse oder Vögel bewohnt wird, ist die zuständige Naturschutzbehörde einzubeziehen.


Karen Kobelt


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